Freitag, 19.04.2019 20:50 Uhr

Gibbongesang stimmt auf eine lebenslange Partnerschaft ein

Verantwortlicher Autor: Julia Barthold Wilhelma Stuttgart, 09.02.2019, 23:47 Uhr
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Sundar bringt seiner Partnerin Futter, um es mit ihr zu teilen.
Sundar bringt seiner Partnerin Futter, um es mit ihr zu teilen.  Bild: Wilhelma Stuttgart, Pressefoto

Wilhelma Stuttgart [ENA] Jeden Morgen wird in der Wilhelma laut gesungen. Die Weißhandgibbons begrüßen jeden neuen Tag aus voller Brust, weithin hörbar, mit ihren charakteristischen Reviergesängen. Wer aufmerksam lauscht, hört vielleicht feine Veränderungen im sonst so gewohnten Klang, denn es gibt einen Neuzugang.

Für die neuen Töne sorgt der Neue, das sechsjährige Gibbonmännchen Sundar, das im Januar bei den „Kleinen Menschenaffen“ ins Schwingaffenhaus des Zoologisch-Botanischen Gartens „Wilhelma“ eingezogen ist, dort jetzt den allmorgendlichen Affenchor verstärkt und mit seiner eigenen Melodie bereichert. Denn alle Gibbons singen ein individuelles Lied, das bei jedem einzelnen Tier anders klingt. In den dichten Regenwäldern Südostasiens, wo die Gibbons in freier Wildbahn leben, sind diese Gesänge ein ursprünglicher, regelmäßiger Bestandteil der Geräuschkulisse. Die Gesänge sind kilometerweit zu hören und zeigen benachbarten Gibbonpaaren – und Familien an, dass dort, wo der Gesang der anderen zu hören ist, deren Gibbon-Revier liegt.

Sundar hat sich verliebt. „Sundar ist noch etwas schüchtern und verhalten“, berichtet Tierpflegerin Thali Bauer. „Er hat sich aber schon gemerkt, welches Futter Kedua mag und bringt ihr Früchte, um sie mit ihr zu teilen.“ Sogar den winterlichen Temperaturen, an die er sich eigentlich schrittweise gewöhnen soll, hat er ihr zuliebe getrotzt. „Sundar kommt aus dem Zoo Emmen und hat dort im Tropenhaus gewohnt“, sagt Bauer. „Obwohl er gefroren hat, saß er schon am ersten Tag in unserer Freianlage sehr lange draußen, um in der Nähe seines Weibchens zu sein.“ Das Gibbonweibchen Kedua wurde 2011 in der Wilhelma geboren - Allerdings ließ sich Kedua bisher noch nicht zum Gesangs-Duett mit Sundar überzeugen.

Er ist gemeinsam mit Weibchen Kedua im Schwingaffenhaus zu sehen.

Bevor Sundar zu Kedua ziehen durfte, wohnte sie mit ihrem Bruder Narumol zusammen. Der konnte aber im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms nach England in den Exmoor Zoo vermittelt werden, wo er von seiner zukünftigen Partnerin bereits mit Neugier willkommen geheißen wurde. Beide jungen, zusammengeführten Paare haben jetzt erstmal reichlich Zeit und Raum, sich kennenzulernen. Bis auf ganz wenige Ausnahmen, leben Gibbons monogam und nicht nur das - sie bleiben sich auch ein Leben lang treu. Sind Männchen und Weibchen erstmal miteinander vertraut, stimmen sie ein gemeinsames Lied an, indem sie ihre Strophen abwechselnd, in einer festen Reihenfolge singen. Jeden Morgen begrüßen sie dann fortan, gemeinsam singend, den neuen Tag.

In den dichten Regenwäldern Südostasiens, wo die Gibbons in freier Wildbahn leben, sind die Melodien der Gibbons allerdings leider immer seltener zu hören, da ihre natürlichen Lebensräume durch Abholzung, Straßenbau und landwirtschaftliche Flächengewinnung zunehmend vernichtet werden. Dazu kommt noch die Bedrohung durch die illegale Jagd für den Heimtierhandel oder die traditionelle chinesische Medizin. Gibbons gehören zu den Primaten (Menschenaffen), die wie ihre großen Verwandten, wie Gorillas oder Orang-Utans, stark gefährdet sind.

Um auf die Bedrohung aufmerksam zu machen, wurde der Gibbon zum „Zootier des Jahres 2019“ gewählt, von der Zoologischen Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz e.V. und dem Verband der Zoologischen Gärten e.V.. Im Mittelpunkt der Kampagne stehen zwei Projekte in Laos und Vietnam. Ziel ist es, den Lebensraum der dort beheimateten Gibbons großflächig unter Schutz zu stellen und ihre Existenz damit dauerhaft zu sichern. Durch Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit wird außerdem die Bevölkerung intensiv in die Arbeit vor Ort eingebunden. Daneben fördert die Wilhelma ein Projekt im vietnamesischen Kon Ka Kinh Nationalpark zur Rettung des Nördlichen Gelbwangen-Schopfgibbons.

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